(Stephen Sondheim) Becky Ann Baker, James Barbour, Mario Cantone, Michael Cerveris, Merwin Foard, Eamon Foley, Mary Catherine Garrison, Alexander Gemignani, Neil Patrick Harris, Kendra Kassebaum, Marc Kudisch, Jeffrey Kuhn, Anne L. Nathan, Denis O'Hare, Brandon Wardell, Sally Wilfert - Edle Ausgabe der neuen Broadwayversion im Schuber. Mit edlem Foto-Booklet inkl. aller Texte.
Jetzt startet das (ehemals!) kleine US-Plattenlabel PS-Classics richtig durch, denn kurz nach der Veröffentlichung der Fiddler On The Roof-Aufnahme zur aktuellen Broadwayproduktion hat Labelchef Tommy Krasker mit dem Broadway Cast zu Stephen Sondheims Assassins (62:02) bereits das nächste heiße Eisen im Feuer. Die Show über neun Attentäter, die die Geschichte Amerikas ganz maßgeblich beeinträchtig haben, lief von April bis Juli 2004 im New Yorker Studio 54 (siehe MUSICALS Heft 107, Seite 4ff.) und war bereits 1991 ganze 73 Aufführungen lang im Playwrights Horizons Theater zu sehen. Damals wurden die Darsteller lediglich von drei Musikern begleitet, doch BMG-Ariola produzierte eine CD-Aufnahme mit einem 33-Mann starken Orchester und Orchestrierungen von Michael Starobin unter der Leitung von Paul Gemignani. Das Ergebnis war eine prachtvolle Castaufnahme, die bis jetzt die einzige existierende Einspielung von Sondheims Werk darstellte. Bei Joe Mantellos Broadwayproduktion gibt es im Gegensatz zur 1991er Produktion im Bereich Bühnenorchester zwar ein plus von zehn Personen, doch leider wurde damit auch die CD-Aufnahme bewerkstelligt. Also (im Kopf mitgerechnet?) kann die PS-Classics-Veröffentlichung mit 13 anstatt 33 Musikern der Uraufnahme unter musikalischen Aspekten nicht das Wasser reichen. Da nützt es auch nichts wenn man erneut Paul Gemignani das Dirigat übertragen hat: 20 Musiker mehr im Orchestergraben machen schon eine ganze Menge mehr her ...
Leser, die die 1991er Aufnahme nicht kennen, werden dennoch bestimmt nichts vermissen, denn Assassins erklingt musikalisch kompakt und kraftvoll, und zudem durch die New Yorker Profis Classic Sound überaus kompetent produziert und abgemischt. Auch die Leistungen der Solisten sind hervorragend und überzeugen gleichermaßen durch gesangliches wie auch interpretatorisches Können. Neil Patrick Harris als Balladenerzähler und Lee Harvey Oswald, Michael Cerveris als Booth, Marc Kudisch in der Rolle des Proprietor oder James Barbour als Czolgosz - vier Beispiele aus einem rundum gelungenen und überzeugenden Ensemble. Hat man jedoch den direkten Vergleich, muss man eingestehen, daß die Brillanz der alten BMG-Ariola-Aufnahme nicht erreicht wird. Vieles erscheint dort einfach dichter erzählt und (noch) überzeugender interpretiert. Das wird schon beim ersten Song The ballad of Booth deutlich: die Eindringlichkeit von Patrick Cassidy als Balladenerzähler und die des großartigen Victor Garber als Booth wird bei der Neuaufnahme nicht annähernd erreicht. Hört man die beiden Aufnahmen einmal quer im Vergleich, entscheidet man sich fast immer für die über Jahre hinweg liebgewordene Erstaufnahme.
Doch welcher CD-Einspielung man aus welchen Gründen nun den Vorzug gibt (die PS-Classics CD bietet einige zusätzliche Dialogsequenzen und ist beispielsweise im Schuber mit einem 48seitigen, mit Farbfotos bebilderten Libretto erschienen): beide belegen das große Können von Stephen Sondheim, bei dem man sich im Falle von Assassins immer wieder an die geniale Kombination aus mitreißender Komposition und hervorragender, geistreicher und treffsicherer Texte erfreuen kann. (Andreas Luketa)
- Everybody's Got the Right
- Ballad Of Booth
- Ladies And Gentlemen, A Toast!
- How I Saved Roosevelt
- What Does A Man Do...?
- Gun Song
- Ballad Of Czolgosz
- Unworthy of Your Love
- I Am A Terrifying And Imposing Figure...!
- Ballad Of Guiteau
- Have It Your Way
- Another National Anthem
- Take A Look Lee
- Something Just Broke
- Everybody's Got the Right